Aktion in Naumburg (Saale)

In Dessau geschehen, in Naumburg vertuscht – In Gedenken an Oury Jalloh

Knapp zwei Wochen nachdem der aus Sierra Leone stammende Oury Jalloh im Gewahrsam der Dessauer Polizei ums Leben gekommen war, versammelten sich 150 Menschen um seiner zu gedenken.

Dabei verwiesen die Demonstrant*innen auf die skandalösen Umstände, unter welchen der junge Mann in der Dessauer Dienststelle ums Leben gekommen war und kritisierten den damit verbundenen „staatlichen Rassismus und die rassistische[n] Polizeipraktiken“. [1]

In derselben Zeit gründete sich aus dem Kreis der Freunde und Angehörigen Jallohs die „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“.
In den folgenden Jahrzehnten erwuchs der 07. Januar, Jallohs Todestag, zu einem sich jährlich wiederholenden Termin, an welchem die Initiative mit teilweise über 1000 Demonstranten vor die Polizeidienststelle in Dessau zog, um dort ihre Wut und Trauer zum Ausdruck zu bringen. Abseits des 07. Januars kämpften die Angehörigen Jallohs jahrelang für Gerechtigkeit und um Anerkennung der Tat als rassistisch motivierten Mord. Ein Kampf, welcher bis heute anhält und kräftezehrend ist. Dazu, dass der Kampf für Gerechtigkeit trotz herber Rückschläge bis heute weitergeführt werden konnte, tragen mit Sicherheit auch die alljährlichen Demonstrationen und deren breite Rezeption bei.

Doch die Zukunft verspricht wenig Gutes. Die anstehenden Landtagswahlen im nächsten Jahr werfen ihre düsteren Schatten voraus. Mit steigenden Zustimmungswerten am rechten Rand, rückt die Möglichkeit auf endgültige Aufklärung immer weiter in die Ferne. So muss erwartet werden, dass sowohl die AfD, als auch die CDU in Sachsen-Anhalt alles daran setzten werden, der Initiative noch mehr Steine in den Weg zu legen, als bereits vorhanden sind.

Um Oury Jalloh weiterhin eine Stimme zu geben, den Fall auch außerhalb Dessaus ins Gedächtnis von Politik und Gesellschaft zu rufen und einen Finger in die Wunde staatlichen Versagens zu legen, möchten wir dazu aufrufen, nicht nur am 07.01. an Oury Jalloh zu gedenken, sondern gemeinsam mit uns einen Tag zuvor in Naumburg zu demonstrieren.
Denn was in Dessau verbrochen und in Halle vertuscht wurde, wurde auf Landesebene schlussendlich in Naumburg vor dem Oberlandesgericht begraben.

Deshalb fordern wir am 06.01.2026 in Naumburg weiterhin Aufklärung im Fall Oury Jalloh!

In Solidarität mit den Angehörigen!
Oury Jalloh das war Mord – Widerstand an jedem Ort!

Die Solidarität, welche sich im Rahmen der Demonstrationen zeigte, aber auch der Kampf der Angehörigen machte Schule und ist heute in ähnlichen Formen im Kontext rassistischer Gewalttaten sichtbar. Aber auch die Form des Gedenkens, wie sie in Dessau stattfindet, dient anderen Fällen in der Bundesrepublik als Vorbild.

Trotz dessen und trotz etlicher Erfolge welche die Initiative in den letzten zwei Jahrzehnten vorweisen konnte, ist der Fall bis heute nicht vollständig aufgeklärt und nur ein Teil der Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen worden. Dies ist nicht zuletzt dem Unwillen etlicher Behörden in Deutschland zuzuschreiben. Ob die Staatsanwaltschaften in Dessau und Halle, das Oberlandesgericht in Naumburg oder der Bundesgerichtshof in Karlsruhe, keine dieser Institutionen ließ auf Aufklärung hoffen. Ein letzter Versuch, die Behörden zur vollständigen Aufklärung mithilfe eines Urteils des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu zwingen, steht noch aus.


[1] https://initiativeouryjalloh.wordpres

Datum

06.01.2026
Abgelaufen!

Uhrzeit

14:00

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Arten

Demo

Standort

Naumburg (Saale), Bahnhof
Bahnhofstraße 46, 06618 Naumburg (Saale)

Bundesland

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